DU&ICH KOLUMNEN

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DU&ICH 03/2011

DAS MODEL UND ICH

EIN JUNGER LIEBHABER STEIGERT ZWAR DIE EIGENE ATTRAKTIVITÄT, IST ABER AUF DAUER WENIG ERGIEBIG, WEIL LANGWEILIG, WIE STARKOLUMNISTIN NINA QUEER AM EIGENEN LEIB ERFAHREN MUSSTE

Wenn man wie ich schon mehrmals seinen 25. Geburtstag ge- feiert hat und die Aufträge auf den Laufstegen der Welt immer weniger, die Einladungen in amüsante Talkshows aber im Ver- hältnis dazu immer mehr werden (Achtung, Lebensweisheit!), dann beginnt man darüber nachzudenken, wie alt man eigentlich wirk- lich ist.

Der Mensch glaubt ja von sich selbst, immer jung zu sein. Egal, wie alt er ist. Man fühlt sich jung, also ist man jung. Ein furchtbarer Irrtum, wie ich vor kurzem feststellen musste.
Fangen wir da an, wo Geschichten immer anfangen: am Anfang.

In meinem Wahn, der Jugend hinterherzulaufen, experimentierte ich zu Beginn des letzten Jahres eifrig mit Botox. Alle drei Monate ließ ich mir für 500 Euro die Fresse glatt spritzen, bis ich am Ende meinen Mund nicht mehr unter Kontrolle hatte und der Rotwein, dessen intensiven Geschmack ich gerade noch auf meiner Zunge spürte, mir wieder aus den Lefzen lief und das weiße Tischtuch in meinem Lieblingsrestau- rant befleckte. Ich war nicht mehr in der Lage, meinen Mund zu schlie- ßen. Egal, ob ich lachte oder weinte, meine Freunde sahen immerzu in dasselbe unbewegliche, emotionslose Gesicht. Nicht fähig, die Au- genbrauen, die Mundwinkel oder die Stirn anzuheben. Na – immerhin war ich faltenfrei.

Die Lösung meines Problems, wieder 18 sein zu wollen, war es jedoch

nicht. So orientierte ich mich in der Promiwelt an anderen Omas, die ewig jung zu sein scheinen. Zweifelsohne kommt man am schlimm- sten aller Reptilien im Blitzlichtgewitter nicht vorbei: MADONNA! Immer jung, immer geil. Schönheitsoperationen, Liftings, Wasserkuren, indische Meister und Sektenzugehörigkeiten. Nichts von dem, was Ma- donna getan hat, hab ich nicht auch schon probiert. Was unterschied mich also vom ewigen Jungbrunnen der 50-jährigen Spinatwachtel? Ein junger Dauerlover! Ja. Genau! Einen jungen Lover braucht man heutzutage – so mein Resümee. Gesagt, getan. Wie Madonna lachte ich mir ein wunderhübsches, aber erfolgloses Männermodel an. Eine Win-win-Situation für beide von uns. Er hat einen Star mit Geld und Einfluss an seiner Seite, ich würde für meine jungen Fans am roten Tep- pich durch ihn wieder auffälliger und attraktiver werden. Der Plan ging natürlich auf, und ich war wieder die heißeste und hipste Schnecke auf jeder Veranstaltung. Zeitungen, die sich schon ewig von mir verab- schiedet hatten, druckten wieder Bilder von mir ab, und für Männer, die mich vor wenigen Tagen nicht mal mehr als Mitleidsfick drange- nommen hätten, war ich plötzlich wieder zu einem sexuellen Myste- rium geworden. Eine, die so einen jungen Hengst befriedigt, muss einfach der Bums des Jahrhunderts sein.

Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Der Preis dafür, so jugendlich wie- der hoch im Kurs zu stehen, ist sehr hoch. Nachts liegt man wach und stirbt fast an der Einsamkeit zu zweit. Was nützen ein perfekter Körper und das schönste Gesicht der Welt, wenn vor lauter Fitness und Ma- gerwahn die Synapsen im Gehirn zu kurz kommen? Wenn nach vier Minuten Sex (junge Männer kommen ja immer wahnsinnig schnell) ein Vakuum entsteht, weil kein Gespräch stattfindet? Wenn man nicht ge- meinsam im Park spazieren gehen kann, weil die weiße Dior-Hose schmutzig wird? Wenn einer sich nicht traut, mit seiner Fleischrakete ins Schokoladenland zu fliegen, weil er Angst hat sich die „Stoßstange“ dabei dreckig zu machen? Wenn man sich Unterhaltungen und The- men hingeben muss, die man vor 20 Jahren schon grausig und primi- tiv fand? Was soll das bitte?

Ja – es ist schlimm, wenn man über Dinge redet, die für einen selbst so klar und logisch sind, und bei dem 20-jährigen Männermodel gegen- über nur ein riesiges leuchtendes Fragezeichen über dem Kopf zu blin- ken beginnt. Soll sich Madonna doch was vormachen. Ich will glücklich sein. Mit Botox und ohne Männermodel. Mit einem ganz gewöhnlichen Mann, der mehr als 5 Gehirnzellen besitzt. DANKE!

 

 DU&ICH 05/2011

NASEN LÜGEN NICHT

NINA QUEER BRICHT SCHON WIEDER EIN TABU! SIE SCHREIBT ÜBER SMEGMA. DENN DAS WIRD IMMER ZUM PROBLEM, SOBALD ES WIEDER WÄRMER WIRD. DOCH UNSERE LIEBLINGS-DRAG-QUEEN WEISS RAT

Heute möchte ich über eines der größten Tabu-Themen der Menschheit schreiben. Smegma! Ja! Smegma.
Hört sich zwar an wie etwas, das in „Herr der Ringe“ mitspielt, ist aber nichts anderes als „Kuppenkäse“, „Nillenquark“ oder „Brie

von der Stange“.
Wir alle kennen das: Man telefoniert eine Stunde vor dem Verkehr mit seinem Ficker und der sagt einem: „Ich hüpf nur noch schnell unter die Dusche und bin dann gleich bei dir!“ Man freut sich auf ein besonders appetitliches Buffet und ist bei sich selbst, mit dem Einsatz von Seife im Intimbereich, nicht sparsam.
Wenige Augenblicke später findet man sich mit dem Objekt seiner Begierde im Dachboden seines Hauses wieder. Auf einem Tisch auf- gebockt in Broiler-Stellung (Rückenlage, Beine breit) – sich stets bewusst, von einer der Nachbarinnen, die eben noch schnell ihre Wä- sche abnehmen will, erwischt zu werden. Man öffnet die Hose seines Sexualpartners und will sich durch orale Zuwendung Aufmerksamkeit verschaffen. Sanft streift man die Vorhaut über die 27-x-8-cm-Rübe

nach hinten, um ordnungsgemäß „hallo“ zu sagen, da ätzt es einem förmlich die Nasenscheidewände weg: Smegma! Man kann es nicht hören, man kann es nicht sehen. Doch es ist da. Nasen lügen nicht. Aber wie kann das sein, wenn man kurz zuvor noch geduscht hat? Nun! Es gibt Männer, die mehr schwitzen als andere. Bei diesen Män- nern ist auch die Talg- und Spermaproduktion stärker als bei Männern, die weniger schwitzen. Das hat mit dem Testosteron-Haushalt zu tun. Männer, deren Eichel müffelt, produzieren auch mehr Sperma und aggressiver riechenden Urin. Man spricht von dem sogenannten „vor- saftenden Penis“. Auch Frauen produzieren kiloweise Smegma.

Das ist aber ein ganz anderes Thema. Diese Kolumne soll vor allen Dingen Ratgeber dafür sein, was man in einer ernsthaften Smegma- Situation tun kann.
Ein absolutes No-go ist, das Ding in den Mund zu nehmen und sauber zu lecken. Ich hab es aus Hast und Überstürzung mehr als einmal gemacht und nichts als Schaden davongetragen. Bei der „Mundsäu- berung“ kommt es nämlich gar nicht zu einer Reinigung, sondern nur zu einer Umverteilung des Smegmas. Anstatt dass alles an seiner Kuppe klebt, hat man es nun selber in Mund, Rachen und Magen. Da man den fiesen Geruch jetzt in sich (ja förmlich auf der Zunge) trägt, hält das Gehirn ihn schnell für körpereigenen und ignoriert ihn. Dies kann spätestens beim ersten Kuss nach dem Oralverkehr schlimme Folgen haben. Oder wenn man danach noch in eine Disko will und sich vorher nicht mehr die Zähne putzt, den Rachen ausspült und sich den Magen entfernen lässt.

Die ideale Lösung freilich wäre, noch mal mit Schrubber und Seife an das Ding dranzugehen. Leider beschämt oder verletzt man damit sei- nen Partner häufig. Andererseits sind im Wald auf der Wiese, im Dark- room oder Clubklo selten Wasser und Seife zur Stelle. Deshalb hier mein ultimativer Tipp: Analverkehr!

Dort wo es schon riecht, fällt ein Geruch mehr oder weniger gar nicht auf. Eine unrasierte Rosette wirkt auf dem Penis des Mannes wie eine Autowaschanlage. Hinterher bleibt in den Puscheln alles hängen und der Ferrari ist sauber! Arschlöcher können nicht sehen und nicht rie- chen. Und dass einem auf einer Party als Erster jemand am Löchlein schnüffelt ist ausgeschlossen! So kann der Sommer kommen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

DU&ICH 12/2011–01/2012

MASSIV SATISFACTION

NINA QUEER KAUFT KEINE WEIHNACHTSGESCHENKE. SIE BESCHENKT SICH SELBST. REICHLICH. NATÜRLICH GIBT’S MÄNNER ZUM FEST – AUF GROSSER AFRIKA-REISE. PUH, DA KANN SIE UNTENRUM VIEL ERLEBEN

November 1982. Ich schleppe eine Menge Rechnungen von mei- nem Briefkasten bis hinauf in meine Wohnung im 4. Stock. Zahn- arztrechnungen, unbezahlte Stromrechnungen, die Steuer, und seitdem ich mir hab die Rosette liften lassen, auch noch die Ra-

tenzahlung dafür. Jedes Mal, wenn ich so einen Stapel Rechnungen sehe, fangen mir meine Haare an weh zu tun. Als ich untenrum noch nicht so ausgeleiert war, hab ich in solchen Momenten immer schnell ein Ticket nach Kolumbien gelöst und in meiner Muschi fünf Kilo reins- tes Koks nach Deutschland geschmuggelt, um meine Schulden zu be- zahlen. Heutzutage plumpst mir doch schon bei jedem zweiten Schritt das Diaphragma aus der Tschumpanella.

Das wenige Geld, das ich als Charity-Lady unter all den Spenden für mich zur Seite legen konnte, reicht gerade einmal für ein paar kost- spielige Weihnachtsgeschenke für meine Liebsten. Oder … was er- blicken meine eitrigen Augen zwischen all den Rechnungen? … oder für einen Luxusurlaub in der Karibik. Das Angebot für diese schmucke All-inclusive-Pauschalreise kommt gerade richtig.

Was soll ich hier in Deutschland Rechnungen bezahlen oder den Schmarotzern, die sich meine Freunde nennen, Geschenke machen, wenn ich mich auf einem weißen Sandstrand unter Palmen von gut drei Dutzend einheimischen Boys gleichzeitig durchwummern lassen kann? Südsee, ich komme! Das Spermaauffangbecken ist unterwegs!

Im Flugzeug der Lumbumba-Airline geht es auch direkt schon los. 146 schwarze Männer, nur bekleidet mit einem Bastrock und einem Kno- chen durch die Nase, allesamt mit ihren Händen kraulend an ihren übergroßen Genitalien. Die schämen sich ja gar nicht. Schweiß tropft ihnen von der Stirn – Speichel läuft ihnen aus den Lefzen. Der einzige weibliche Passagier bin ich! Eine mittelalte Rothaarige, mit einem Blick,

der nichts anderes sagt als: Bingo-bongo – und im Besitz dessen, was schwarze Männer verehren wie die Inder eine heilige Kuh: einen dicken, weißen Weiberarsch! Dessen Schlucht so weit auseinanderklafft wie der Grand Canyon.

Auf der Fahrt vom Flughafen ins Äthiopia-Dream-Resort gibt es bereits Cocktails. Ich bestelle einen Orgasmus nach dem anderen. In der Lobby gibt es einen Begrüßungscocktail. Im Aufzug auch. Und zwar vom Liftboy. Ein doppelter Virgin. Gespritzt! Als ich mein Zimmer be- trete, zeige ich mich recht unerschrocken über die ausgefallene Klimaanlage. Die Minibar steht weit offen und die alkoholischen Ge- tränke sind gekühlt. Jetzt aber schnell zur Cocktailstunde an den Pool. Ich werde zwar nie verstehen, wieso es eine Cocktailstunde gibt, wenn man ein Bändchen um sein Handgelenk trägt, mit dem man ohnedies alles gratis bekommt – aber bitte. Der Geselligkeit wegen.

Alle glotzen – keiner tut was. Bei einem Stadtspaziergang außerhalb des Resorts wäre ich ordnungsgemäß schon 20 mal vergewaltigt worden. Bevor meine Möse jedoch in Streik tritt – oder schlimmer noch, mit mir zu sprechen beginnt –, muss ich die Initiative ergreifen. Ich tu so, als wäre mir schlecht, und beuge mich über eine Blumeninsel. Täusche vor mich zu übergeben. Ich beuge mich sehr weit nach vorne. Sehr, sehr weit. Dabei rutscht mein Minikleid etwas nach oben und meine VIP- Lounge blitzt hervor. Ein Zeichen, das jeder Mann versteht.

An diesem Nachmittag zeig ich wirklich jedem mein persönliches Tro- pical Island und erhalte – aus mir nur zu verständlichen Gründen – den Beinamen „Mama Afrika“! Die kommenden zwei Wochen bin ich auf Schokoladen-Diät. Ich glasiere die Pralinen, spritze Sahne in den Kaf- fee und schlag den Kakao cremig. Völlig vernarrt in dieses gut gebaute Volk und weil Weihnachten ist, gehen dann völlig die Rentiere mit mir durch. Als Charity-Lady ist es meine Pflicht, eine Insel nach der ande- ren zu missionieren, Kinder wie Handtaschen zu kaufen, pardon – zu adoptieren und Schulen zu eröffnen. Schulen, in denen bereits der fünf- jährige Schokokrümel zum Sexmonster ausgebildet wird und lernt, wie man es den Westhäschen so richtig von hinten besorgt. Denen werd ich schon noch zeigen, was es bedeutet, mit einer deutschen Muschi aus Stahl Paranüsse zu knacken!

Aus Solidarität lasse ich mir für 98 Dollar sogar noch eine Afromuschi einbauen, als eine Art Tauschhandel. Ein Krankenhaus wär mir zwar lieber gewesen, aber so eine Bambushütte tut es auch. Why not? Leid tut mir nur die schwarze Schönheit, die jetzt mit einer weißen Muschi und roten Locken herumlaufen muss. Irgendwie sieht das freaky aus. Merry Christmas from Mama Afrika!

P. S.: Ich seh jetzt untenrum aus wie ein Zebra …

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